3 Dinge, die ich heute in meinem Yogaunterricht anders mache

Wenn ich darüber nachdenke, wie sich mein Yogaunterricht über die Jahre verändert hat, geht es gar nicht unbedingt um schwierigere Übungen oder neue Stile. Die grössten Veränderungen liegen eher darin, wie ich unterrichte und was mir heute wichtig ist. Früher dachte ich oft, eine Yogastunde müsse möglichst abwechslungsreich, kreativ oder besonders sein. Heute glaube ich: Weniger kann oft viel wirkungsvoller sein.

Früher vs. heute

Am Anfang wollte ich meinen Teilnehmenden einfach eine schöne Yogastunde bieten mit viel Abwechslung: Neue Übungen, genaue Ausführung und kreative Abläufe.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass Menschen oft viel mehr davon profitieren, wenn sie Bewegungen wirklich verstehen, spüren und in ihrem eigenen Tempo erleben können.

Viel wichtiger ist für mich:

  • Fühlen sich Menschen sicher?

  • Können sie ihren Körper besser wahrnehmen?

  • Nehmen sie etwas mit, das ihnen auch im Alltag hilft?

1. Ich erkläre mehr den Bezug zum Alltag

Eine Sache, die mir heute besonders wichtig ist:
Ich versuche möglichst oft zu erklären, warum wir eine Übung machen.

Zum Beispiel:

  • Wie kann eine Bewegung im Alltag hilfreich sein?

  • Warum üben wir das Gleichgewicht?

  • Weshalb kann Atmung einen Unterschied machen?

  • Was trainieren wir eigentlich gerade?

Ich glaube, viele Menschen verbinden sich stärker mit Yoga, wenn sie verstehen, dass es nicht nur um „schöne Positionen“ geht, sondern um Bewegungen und Fähigkeiten, die sie im echten Leben unterstützen können.

2. Ich nutze mehr Wiederholungen

Früher dachte ich oft, Wiederholungen seien langweilig. Heute sehe ich darin unglaublich viel Wert. Wenn wir einen Ablauf machen, machen wir ihn fast nie nur einmal. Oft üben wir ihn zuerst langsam, mit Erklärungen, Varianten und Zeit zum Ausprobieren. Erst im zweiten Durchgang wird die Bewegung fliessender, denn häufig passiert genau dann etwas Spannendes: Der Körper kennt die Bewegung schon ein wenig, der Kopf muss weniger „mitdenken“ und man kann viel mehr ins Spüren kommen. Ich glaube, dass Lernen oft nicht durch möglichst viele neue Inputs passiert, sondern durch Wiederholung und Erfahrung.

3. Individualität ist wichtiger als „perfekte Ausrichtung“

Vielleicht ist das die grösste Veränderung in meinem Unterricht:
Ich glaube heute viel weniger daran, dass es die eine „richtige“ Art gibt, eine Übung auszuführen.
Körper sind unterschiedlich. Voraussetzungen sind unterschiedlich. Tagesformen sind unterschiedlich.
Deshalb biete ich oft verschiedene Varianten an und lade meine Teilnehmenden ein, auszuprobieren:

  • Was fühlt sich heute gut an?

  • Welche Variante passt gerade?

  • Was braucht mein Körper in diesem Moment?

Für mich bedeutet Yoga nicht, alle Menschen in dieselbe Form zu bringen. Sondern eher: Menschen dabei zu unterstützen, ihre eigene Art der Bewegung zu finden.

Einladung zur Reflexion

Vielleicht kennst du das auch, dass sich Dinge mit der Zeit verändern, obwohl man früher überzeugt war, es „richtig“ zu machen. Ich glaube, genau das gehört auch zum Unterrichten dazu: offen bleiben, weiterlernen und immer wieder hinterfragen, was wirklich hilfreich ist.

Und vielleicht gilt das nicht nur für Yoga, vielleicht dürfen wir uns generell öfter erlauben, langsamer zu werden, weniger perfekt sein zu müssen und unseren eigenen Weg zu finden.